Lektorat Concisum

Anglizismen – Pro und Kontra

Fremdwörter und Sprachpurismus

Über einen angemessenen Umgang mit Fremdwörtern wird seit jeher gestritten und Sprachpuristen kämpfen (nicht nur in Deutschland) seit jeher für den „Erhalt“ einer vermeintlich unverfälschten Nationalsprache – allerdings vergeblich. Denn Sprachreinheit ist ein absurdes Konstrukt; das zeigt die Sprachgeschichte. Wie in den meisten Bereichen gilt auch hier der Wahlspruch des Comenius:

Omnia sponte fluant, absit violentia rebus.

Das heißt sinngemäß: Lass die Dinge ihren Gang gehen und tu ihnen keine Gewalt an.

Dennoch sprechen unterschiedliche Erwägungen dagegen, eine Sprache mit Fremdwörtern zu überfrachten.
Fremdsprachen beinhalten unter Umständen Laute, Buchstaben oder Zeichen, die es in der Muttersprache der Schreibenden oder Sprechenden nicht gibt (z. B. fehlt das Zungenspitzen-r im Französischen, im Deutschen gibt es weder den Buchstaben ξ noch Akzente). Fremdwörter folgen möglicherweise einer abweichenden Laut-Buchstaben-Zuordnung (z. B. engl. oo = dt. u) oder flektieren anders (oder gar nicht).

Diese Verschiedenheiten erschweren die Eingliederung von Fremdwörtern in einen gegebenen Sprachkontext. Findet keine zureichende Angleichung statt, ist ein stark uneinheitliches Schrift- und Lautbild die Folge.

Beispiele – historisch und aktuell

Dass das Problem nicht neu ist, zeigt z. B. folgender Buchtitel aus dem Jahr 1618 (leicht verkürzt), in dem lateinische Substantive mit lateinischen Flexionsendungen übernommen sind.

Allerley lustige Schulbossen auß Hieroclis facetiis Philosophorum und auß dem täglichen Prothocollo der heutigen Pennal mit angehengten Characterismis des Pennalismi, Pedantismi und Stupiditatis.

So absurd dieses Beispiel scheinen mag – wir fabrizieren heute oft einen ähnlichen Sprachsalat, nur eben mit englischen Fremdwörtern.

Das geht besser. Wer auf die Nennung englischer Fachbegriffe großen Wert legt, kann diese in Klammern einfügen.

Unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern

Wenn es also gängige deutsche Entsprechungen gibt, sollte man von diesen Gebrauch machen. Setzt man dagegen Fremdwörter ohne Not ein, wirkt das Ergebnis gestelzt und wird zudem unverständlich. Letzteres ist mitunter durchaus beabsichtigt, z. B. im Consultant-Kauderwelsch:

Wer sich dieser philologischen Herausforderung stellt, lernt, dass „Opportunitys konkretisiert werden“. Was das bedeutet, bleibt jedoch ein Geheimnis des Verfassers.

Andererseits können Fremdwörter nicht bedenkenlos durch vermeintliche deutsche Synonyme ersetzt werden.
Das ist gerade in Texten wichtig, in denen es auf eine exakte Terminologie ankommt – also in wissenschaftlichen. „Management“ ist beispielweise enger definiert als „Leitung“ und „Führung“, „Mobiltelefon“ und „Handy“ sind weiter gefasst als „Smartphone“.
Wollten wir solche etablierten Begriffe umgehen, müssten wir auf umständliche Umschreibungen zurückgreifen (z. B. „internetfähiges Mobiltelefon“).