»Werde, der du sein musst!«

Wie du deine Stimme zurückerlangst

Rezension zum Essayband von
Hervy Oko

»Es gibt in der Welt einen einzigen Weg,

auf welchem niemand gehen kann, außer dir.

 Wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn!«

 – Nietzsche

Das Wort »Bestimmung« klingt in unseren Ohren etwas altmodisch, sogar kitschig.
Immerhin haben wir den Glauben an eine göttliche Vorsehung längst aufgegeben.

Aber vielleicht gibt es dennoch einen Weg, der nur für uns bestimmt ist.
Weil nur wir ihn gehen können.
Die Voraussetzung dafür ist, dass wir zu uns selbst finden;
dass wir zuerst »werden, der wir sein müssen«.

So lautet der Titel von Hervy Okos philosophischem Essayband.
Einem authentischen, gesellschaftskritischen – und doch optimistischen Buch.
Es macht Mut, den eigenen Weg zu finden und zu gehen; in einer Gesellschaft, in der sich Individualität oft darin erschöpft, ein originelles T-Shirt zu tragen oder sich durch den Kauf »einzigartiger« Artikel von andern abzuheben: Individualität als Ware im kapitalistischen Wirtschaftskreislauf.

Aber das ist keine wahre Individualität, und schon gar keine wahre Identität, was sich wechseln lässt wie Klamotten.

Was wir sind, das sind wir, sagt Hervy.
Die Frage ist nur, ob wir es schon herausgefunden haben.
Ob wir es herausfinden wollen.
Oder ob wir uns hineinziehen lassen in den multimedialen Strudel aus Desinformation und Belanglosigkeit, in dem wir uns zu verlieren drohen.

Hervy Oko, 31 Jahre, aus Düsseldorf, ist kein Guru. Kein Ideologe.
Er bietet keine Heilsversprechen und keinen vorgegebenen Pfad.

Er ermutigt uns, uns selbst auf den Weg zu machen.
Unser eigener Lehrer und Wegweiser zu werden.

Eigentlich wollte er Romanschriftsteller werden. Aber auch das Philosophieren lag ihm.

»Ich habe meine Entwürfe immer wieder Freunden gezeigt«, erzählt Hervy. »Auf meine philosophischen Texte habe ich mehr Resonanz bekommen als auf meine literarischen.«

Vielleicht ein Hinweis, in welche Richtung es gehen soll?

So entstand »Werde, der du sein musst«, Hervys erster philosophischer Band.

Darin geht es um Kapitalismus, Konsum und Hyperindividualismus, um Körper und Geist, Krankheit und Genesung, unerfülltes Verlangen und den Tod.
Darum, wie wir in einer hyperkomplexen Welt den Weg zu uns selbst finden.

Hervys Worte sind vor allem eines: authentisch.
Sie kommen aus dem Bauch, dem Kopf, dem Herzen.
Niemals driften sie ab in trockene akademische Spekulation, in blutleeren Rationalismus.

Im Gegenteil: »Was ist das Gefährlichste am Menschen?«, fragt Hervy.
Und seine Antwort: »Das, was sich zwischen beiden Ohren abspielt.«

Hervys Worte sind entstanden aus Erfahrung und Offenheit.
Aus dem Mut, nicht der zu sein, der man sein soll – sondern der, der man sein muss.

Dieses Gefühl hatte ich schon, als mir Hervy sein Manuskript zum Lektorat anbot.

Es hat sich immer wieder bestätigt – beim Lesen und in persönlichen Gesprächen.

Für mich war die Lektüre eine Freude und Inspiration. Wer immer »seine Stimme zurückerlangen« möchte (so der Untertitel), dem sei Hervys Buch ganz herzlich empfohlen!

Jetzt als Taschenbuch oder E-Book bei Thalia erhältlich.